„Schwesterherz”: Eine Teilnehmerin berichtet

Eine ehemalige Schwestern-Workshops Teilnehmerin berichtet von Ihren Erlebnissen und Erkenntnissen:

"Ich bin Jahrgang 1971, meine Schwester ist fünf Jahre jünger. Wir zwei sind ziemlich unterschiedlich. Ich fühle mich nicht unbedingt älter, sondern anders. Obwohl ich schon das Gefühl habe, es besser zu wissen und über ihren Lebensstil zu urteilen. Zum Zeitpunkt des Seminars war die Beziehung so schwierig, dass kaum Kontakt da war. Ich habe mir immer viel Gedanken um den Lebensstil meiner Schwester gemacht. Übrigens ein typischer Zug einer großen Schwester, wie ich heute weiß.

Als ich mich zum Seminar anmeldete, dachte ich, dass es mir darum geht, von den schlechten Gefühlen loszukommen, die es bei mir auslöst, wenn meine Schwester Dinge tut, die ich für falsch halte. Ich wollte die Situation mehr für mich klären. Eigentlich wollte ich möglichst wenig Kontakt – was schwierig ist, gerade wenn die Eltern älter werden.

Meine Erkenntnis am Ende des Seminars war aber eine ganz andere. Schon am ersten Abend gab es für mich einen Aha-Effekt, der mich fast ein wenig geschockt hat. Ich weiß nicht, wie die beiden Ziebell-Schwestern das angestellt haben, aber durch die intensive Arbeit wurde mir zum ersten Mal klar, dass ich mir nicht Abstand zu meiner Schwester wünsche, sondern eigentlich eine gute Beziehung und Kontakt. Das konnte ich mir in diesem Moment zum allerersten Mal eingestehen.

Die Beziehung zu meiner Schwester hat sich seither grundlegend verändert. Sehr viel mehr, als ich es je für möglich gehalten hätte. Ich habe vorsichtig Kontakt mit ihr aufnehmen können, habe ihre Verwunderung und Erleichterung gespürt, als ich einen Schritt auf sie zumachte.

Seitdem pflege ich sehr erleichtert den Kontakt, und zwar, weil ich das will. Ich lasse unsere Beziehung langsam wachsen. Manche Themen an ihr stören mich immer noch, aber ich kann das Ganze viel gelassener sehen. Ein Knoten ist geplatzt. Das ist ein sehr großer Unterschied zu vorher. Gemessen daran, wie unerträglich ich jeden Kontakt zu ihr vorher fand, kann man sich wundern, wie so eine Veränderung innerhalb eines Wochenendseminars stattfinden kann. Und ehrlich, ich wundere mich selbst. Wahrscheinlich war es genau der richtige Zeitpunkt für mich.

Einfach mal hingehen, anrufen und zuhören – das ist es, glaube ich, was unter Schwestern am meisten fehlt. Wir sind immer dabei, uns gegenseitig vom „Richtigen“ zu überzeugen oder um die Gunst der Eltern zu kämpfen. Vielleicht konnte ich mich auch plötzlich öffnen, weil ich endlich unter Gleichgesinnten war. Wir haben uns gegenseitig gestützt an diesem Wochenende. Im Alltag muss man ja doch oft so tun, als verstehe man sich mit seiner Familie. Einfach zuzugeben, dass wir alle Probleme haben und uns das weh tut, das war eine wirkliche Wohltat für mich. Ich habe gemerkt: Schwesternbeziehungen sind schwer und bedeuten Arbeit. Sie fallen nicht vom Himmel. Und ich bin nicht alleine damit." - N.N.